Unsere Geschichte -
10 Jahre F.I.N.K.e.V. – 10 Jahre Finkennest


Der Platz spricht:
Diesen Flecken Erde gibt es schon seit Jahrtausenden, und die allermeiste Zeit davon habe ich mich nicht von anderen Flecken unterschieden. An alles, was vorher war, erinnere ich mich nur schemenhaft. Es heißt, ich sei einmal ein Festplatz gewesen, und jedes Jahr habe eine Kirmes auf mir stattgefunden. Später, da bin ich mir sicher, war hier nicht mehr viel los. Nachdem die letzten Kirmesstände für immer abgebaut worden waren, hat man mich vergessen – und ich fristete als Brache ein trostloses Dasein.
Heute möchte ich dir von dem letzten Jahrzehnt erzählen. Es war für mich so besonders, dass ich mich an vieles ganz genau erinnere.
Wie alles begann
Im Juli 2016 wurde ich aus meinem Dornröschenschlaf geweckt. Alles begann mit einem schimpfenden LKW-Fahrer, einer Frau und einem Seecontainer. Der LKW-Fahrer stellte diesen Container mitten auf mir ab, meckerte noch ein wenig – und verschwand.
Doch mit dem Container begann eine Veränderung. Die Frau kam zurück, diesmal mit Mann und Kindern. Von da an bekam ich regelmäßigen Besuch.
Eine kleine, aber hochmotivierte Gruppe räumte Werkzeuge in den Container und baute meine ersten Hochbeete. Ich wusste noch nicht, was hier entstehen sollte, aber ich freute mich jedes Mal, wenn diese Menschen – die sich selbst Finken nennen – auftauchten.
Instinktiv spürte ich: Sie hatten etwas Gutes vor.
Dem ersten Hochbeet folgten weitere. Eine Feuerstelle entstand. Ich war zwar noch mehr Brache als Garten, aber die Menschen setzten sich ans Feuer, schmiedeten Pläne – und diese Pläne gefielen mir sehr.















Ein Ort für Begegnung
Ich hörte, dass viele Menschen aus einem Land namens Syrien vor Krieg und Terror fliehen mussten. Die Finken wollten einen Ort schaffen, an dem sich Geflüchtete und Nachbar*innen begegnen können.
Jahrelang war ich fast menschenleer gewesen – und plötzlich kamen Menschen aus der ganzen Welt zu mir.
Langsam verstand ich ihren Plan: ein interkultureller Gemeinschaftsgarten.Ein Ort, an dem Ideen wachsen, Projekte entstehen und Gemeinschaft gelebt wird. Ein Ort für alle.













Vom Asphalt zum Leben
Zunächst blieb ich skeptisch – ich war schon einmal ein schöner Festplatz gewesen und später völlig vernachlässigt worden.
Doch die Finken kamen wieder und wieder.
Sie bauten größere Beete, pflanzten Gemüse und Blumen, gestalteten einen Bereich für Kinder.
Immer neue Menschen kamen ins Finkennest: Familien, Nachbar*innen, Interessierte, Helfende.
Ich verwandelte mich.
Aus einem grauen, harten Fleckchen Asphalt wurde ein Ort voller Farben und Leben.
Mit jeder Pflanze kamen neue Tiere: Feuerwanzen, Schmetterlinge, Wildbienen, Hasen, Vögel.
Ein Fink schwört sogar, er habe einmal einen Luchs gesehen – aber da bin ich mir nicht ganz sicher.





















Ein Garten voller Leben
Mit jedem Jahr, das die Finken im Gemeinschaftsgarten verbrachten, wurde ich vielfältiger.
Neben den unzähligen Gartenstunden und Bauaktionen, bei denen die fleißigen Finken mich weiterentwickelten, konnte ich auch viele weitere Aktivitäten beobachten. Ich sah, wie Kinder aus der Großstadt in Familienprojekten auf mir herumtollten, jeden Grashalm unter die Lupe nahmen und die Wildheit und Natur auf mir entdeckten.
Es wurden rauschende Feste gefeiert, ums Feuer getanzt, gemeinsam gesungen, gelacht und geweint. Neben Gartenthemen wurden auch viele politische und gesellschaftsrelevante Themen besprochen. Es wurden Flaggen gegen Rassismus verteilt, es gab Veranstaltungen gegen den menschengemachten Klimawandel, Ausstellungen wurden gezeigt, und Musiker verwandelten den Ort in eine wunderbare Musiklocation.



























Eine kleine gelebte Utopie
Auf einmal war ich für viele Menschen ein Sehnsuchtsort. Ein Ort einer gelebten kleinen Utopie. Menschen kamen, um sich bei mir gut zu fühlen; einigen spendete ich in ihrer Trauer Trost, andere kamen, um die Stille zu genießen, die im Finkennest herrschte, wenn einmal kein Programm stattfand.
Mittlerweile kommen viele Menschen auch, um die Tiere und Pflanzen zu beobachten und zu genießen. Ich freue mich sehr darüber, dass diese Finken mich entdeckt haben und aus mir einen urbanen Gemeinschaftsgarten gemacht haben.
Ich freue mich über alle Menschen, die zu mir kommen und daran mitwirken, dass ich immer schöner und vielfältiger werde. Ich freue mich darüber, dass ich mitbekomme, dass die Finken immer neue Pläne und Träume formulieren, und ich freue mich besonders über jede neue Pflanze und jedes Tier, das ich neu entdecke.

















Bildungsarbeit im Finkennest
Neben all den Pflanzen, Festen und Begegnungen bin ich in den letzten Jahren auch zu einem Lernort geworden. Ein Ort, an dem Kinder, Jugendliche und Familien Natur erleben können – mitten auf einst grauem Asphalt.
In den Familienprojekten entdeckten Eltern und Kinder gemeinsam meine Pflanzenwelt, suchten Regenwürmer, rochen Kräuter und lernten, wie viel Leben sich in kleinsten Ecken verbirgt. Kitas und Familienzentren kamen regelmäßig vorbei, gestalteten Beete, bauten kleine Lebensräume und erkundeten meine Vielfalt mit großer Neugier. Auch Schulklassen holten sich hier Naturerfahrungen, die im Alltag oft fehlen.
Ein Herzensprojekt war für mich die Zusammenarbeit mit den Kolkraben-Schüler*innen, einer Abschlussklasse der Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung. Einmal pro Woche frühstückten sie hier, arbeiteten gemeinsam im Garten und nahmen an einer naturpädagogischen Einheit teil. Ein Jahr lang beobachteten sie eine Eiche und einen Haselstrauch und dokumentierten deren Veränderungen durch die Jahreszeiten.
In der anschließenden Arbeitsphase übernahmen sie Aufgaben wie Kompost umsetzen, gießen oder Beete pflegen – Tätigkeiten, die sie auf ihr späteres Berufsleben vorbereiteten. Viele von ihnen arbeiten nach der Schulzeit in Werkstätten, und hier konnten sie Fähigkeiten erproben und Selbstvertrauen gewinnen. Ein Schüler schaffte sogar den Sprung in ein Gartenbauunternehmen.
So wurde ich zu einem Ort, an dem nicht nur Pflanzen wachsen – sondern auch Menschen.



























Herausforderungen
Natürlich lief nicht alles perfekt.
Es gab Menschen, die mit meiner Entwicklung nicht einverstanden waren.
Manche rissen Pflanzen heraus, zerstörten Beete oder beschmierten Wände.
Sogar die Bienen wurden einmal angegriffen – eine äußerst dumme Idee, wie sich schnell herausstellte. Der Schwarm hat sehr deutlich gezeigt, was er davon hielt.
Ich wünsche mir, dass solche Angriffe der Vergangenheit angehören.
Die Finken kümmern sich um mich – und ich möchte nicht wieder die leere Brache sein, die ich früher war.



















Wohin ich wachsen möchte
Für die kommenden Jahre wünsche ich mir, dass die Finken weiterhin Unterstützung bekommen.
Sie sind Idealist*innen voller Mut, Ideen und Tatkraft.
Sie wollen mir noch mehr Pflanzen, Tiere, Lebensräume und Möglichkeiten schenken.
Und ich weiß, warum:
Für sie bin ich ein Ort der Wiedergutmachung.
Ein Ort, an dem Natur in die Stadt zurückkehrt.
Ein Ort, an dem gezeigt wird, dass man den Krisen dieser Zeit – Klimaerhitzung, Artenverlust, sozialer Spaltung – mit Gemeinschaft, Freude und Engagement begegnen kann.
Während anderswo Arten verschwinden, steigt bei mir die Vielfalt Jahr für Jahr.
Und während ich früher im Sommer überhitzte, kühle ich mich heute durch eine kleine, aber bedeutende Erdschicht selbst.
Damit dieser Weg weitergeht – und andere inspiriert, eigene Orte zu verwandeln – brauche ich Menschen wie dich.

Was du als Förder*in im Finkennest möglich machst:
• mehr Grün auf ehemals versiegeltem Boden
• neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere
• offene Gartenstunden für alle Generationen
• Natur- und Umweltbildung für Kinder, Jugendliche und Familien
• ein kultureller und sozialer Treffpunkt für den Stadtteil
• ein Ort des Miteinanders, der Ruhe und der Hoffnung
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Viele Fotos wurden von Menschen im Verein gemacht. Die professionellen Konzert und Drohnenfotografien wurden uns von Peter Johann Kierzkowski zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank an alle die für uns Fotos gemacht haben.
