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Was alles wachsen konnte: Zwei geförderte Jahre im Finkennest



Einleitung: Zwei Jahre Rückenwind


Wenn man heute durch das Finkennest geht, sieht man an vielen Stellen, was in den letzten zwei Jahren wachsen konnte. Manche Veränderungen fallen sofort ins Auge: eine neue Feuerstelle, neue Sitzgelegenheiten, ein Barfußpfad, eine Bühne, eine Bar, eine weiterentwickelte Outdoorküche. Andere Entwicklungen sind leiser, aber mindestens genauso wichtig: Kinder, die immer wiederkommen. Kooperationen, die gewachsen sind. Menschen, die sich dem Ort verbunden fühlen. Neue Ideen für Vogelsang. Und Strukturen im Verein, die unsere Arbeit tragfähiger machen.


Förderung klingt manchmal nach Formularen, Verwendungsnachweisen und Tabellen. All das gehört tatsächlich dazu. Aber im Finkennest sieht man Förderung vor allem in Erde unter den Fingernägeln, in Kinderstimmen, in gemeinsamem Singen, in frisch gesetzten Pflanzen, in Gesprächen am Feuer und in Menschen, die sagen: „Dieser Ort ist besonders.“

In den vergangenen zwei Jahren konnten wir mit Unterstützung der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW, der Deutschen Postcode Lotterie und der Heidehof Stiftung das Finkennest weiterentwickeln: als ökologischen Gemeinschaftsgarten, als außerschulischen Lernort, als Treffpunkt im Veedel und als Ort, an dem Menschen Zukunft im Kleinen ausprobieren können.


Ein Garten wächst an vielen Stellen




Wer das Finkennest länger kennt, weiß: Dieser Garten ist nie fertig. Und das ist gut so. Ein Gemeinschaftsgarten wächst mit den Menschen, die ihn nutzen, pflegen, verändern und lieben lernen.


In den letzten zwei Jahren ist an vielen Stellen sichtbar etwas passiert. Wir haben eine neue Feuerstelle gebaut und mit einer neu gestalteten Sitzgelegenheit verbunden. Es gibt einen Barfußpfad, auf dem Kinder und Erwachsene den Garten mit den Füßen erkunden können. Der Seecontainer hat endlich ein neues, dichtes Dach bekommen. Unsere Outdoorküche wurde weiter ausgebaut und ist mittlerweile ein wichtiger Ort für gemeinsames Kochen, Vorbereiten, Schnippeln und Zusammensein.


Auch für Kultur und Begegnung ist mehr Raum entstanden: Wir konnten eine Bühne für Konzerte realisieren und eine Bar einrichten. Beides hat das Finkennest als Veranstaltungsort deutlich bereichert — ob bei Konzerten, Festen oder anderen geselligen Formaten.


Gleichzeitig ist der Garten selbst weiter gewachsen. Auf dem Gelände wachsen mittlerweile junge Bäumchen, die in Zukunft Schatten spenden werden. Es wurden sehr viele neue Pflanzen angezogen und eingepflanzt. Beete wurden erneuert, ergänzt und gepflegt. Auch die Wickingbeds, also wassersparende Pflanzgefäße mit Dochtfunktion, wurden weiterentwickelt und tragen dazu bei, den Garten klimaangepasster und pflegeleichter zu gestalten.


All das passiert nicht von allein. Deshalb möchten wir an dieser Stelle allen danken, die mitgedacht, geschleppt, gebohrt, gegossen, gepflanzt, gekocht, repariert, aufgeräumt und weitergemacht haben. Ein besonderer Dank gilt unserer Gartenkoordination, die mit viel Ausdauer, Fachwissen und Liebe zum Detail dafür sorgt, dass aus vielen einzelnen Ideen ein lebendiger Garten wird.


Immer wieder hören wir von Menschen, die das Finkennest besuchen, begleiten oder aus der Nachbarschaft kennen, dass der Garten schöner geworden ist. Nicht glatt oder perfekt, sondern auf eine besondere Weise lebendig: mit vielen Ecken, Details, Pflanzen, Rückzugsorten, Spielmöglichkeiten und Freiheiten. Ein Ort ohne Autos, ohne Stress und mit überraschend viel Natur mitten in der Stadt.


Kinder, die wiederkommen: Bildungsarbeit im Finkennest



Ein besonders wichtiger Teil unserer Arbeit sind die Bildungsangebote. Schon seit vielen Jahren sind unsere Familienprojekte sehr gefragt, oft schnell ausgebucht und geprägt von Kindern, die nicht nur einmal kommen, sondern wiederkommen möchten.

Das ist vielleicht eine der schönsten Wirkungen: Wenn aus einem Angebot nicht nur ein Termin im Kalender wird, sondern ein vertrauter Ort. Einige Kinder haben über mehrere Durchgänge hinweg teilgenommen. Sie kennen die Wege, die Beete, die Feuerstelle, die Tiere, die Regeln und die kleinen Rituale im Garten. Für uns sind sie längst echte Finkenkinder geworden.


Ein solches Ritual ist der Finkensong, den wir am Ende jeder Einheit gemeinsam singen. Dieses Lied gehört für viele Kinder fest zum Finkennest dazu. Es bündelt auf einfache Weise, was in den Projekten passiert: gemeinsam draußen sein, Natur wahrnehmen, sich als Gruppe erleben, wiederkommen, wachsen.

Naturbildung im Finkennest bedeutet für uns nicht nur, Kindern nur etwas über Pflanzen, Kompost oder Tiere zu erklären und große Zusammenhänge in der Natur darzustellen. Es geht auch darum, dass Kinder die Natur mit allen Sinnen erleben: matschen, riechen, beobachten, ernten, fragen, staunen, bauen, singen, sich trauen. Es geht darum die Liebe zur Natur zu wecken, denn wir schützen nur, was wir lieben.


Neben den Familienprojekten haben sich in den vergangenen zwei Jahren auch unsere Kooperationen mit Schulen, Kindergärten und Familienzentren weiterentwickelt. Kindergruppen und Schulklassen konnten das Finkennest als außerschulischen Lernort kennenlernen. Besonders wertvoll waren dabei Angebote für Kinder, für die passende außerschulische Erfahrungsräume nicht selbstverständlich sind. Der Garten bietet Raum, sich vorsichtig anzunähern, mitzumachen, sich zurückzuziehen, wiederzukommen und auf eigene Weise Teil des Ortes zu werden.


Auch die Erwachsenenbildung ist gewachsen: Workshops zu Garten- und Naturthemen, Kräutern, Bienen, Färben mit Naturmaterialien oder Schnitt von Beeren und Obstbäumen haben gezeigt, dass Lernen im Finkennest nicht an eine Altersgruppe gebunden ist. Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen bringen unterschiedliche Fragen mit — und der Garten bietet für viele davon einen guten Ausgangspunkt.

Für den Verein sind diese Bildungsangebote auch strukturell wichtig geworden. Erstmals konnten im Projektzeitraum relevante Einnahmen aus Bildungsveranstaltungen generiert werden. Das ist ein wichtiger Schritt, damit unsere Arbeit langfristig nicht ausschließlich von Förderanträgen abhängig bleibt.


Wenn alle ums Feuer sitzen: Begegnung im Garten



Es ist gar nicht leicht, aus zwei Jahren ein einzelnes Erlebnis herauszugreifen. Es gab so viele schöne Momente: Kinder, die zum ersten Mal eine Schnecke auf die Hand nehmen. Menschen, die nach einer Gartenführung wiederkommen und mithelfen. Familien, die beim Fest stundenlang bleiben. Ehrenamtliche, die nach einem langen Bautag erschöpft, aber zufrieden zusammensitzen.


Ein Erlebnis, das das Finkennest besonders gut beschreibt, war das Adventsfeuer im Dezember 2025. Rund 30 Menschen versammelten sich an der neuen Feuerstelle mit der neu gestalteten Sitzgelegenheit. Dabei waren aktive Finken, die den Termin auch für eine gemütliche Rückschau auf das Jahr nutzten, Familien mit kleinen Kindern, alte Wegbegleiter und zwei Seniorinnen um die 90 Jahre, die über das Seniorennetzwerk von der Veranstaltung erfahren hatten.


Es wurde über dem Feuer gekocht. Es wurde erzählt, gelacht und gemeinsam gesungen. Weihnachtslieder im Gemeinschaftsgarten, Menschen aus unterschiedlichen Generationen, ein warmer Feuerkreis mitten im Dezember — das war ein Moment, in dem vieles zusammenkam.


Für uns steht dieses Adventsfeuer für den besonderen Finkenvibe: das Engagement der aktiven Finken, die Vielfalt der Menschen, die Offenheit des Ortes und die Atmosphäre, die entsteht, wenn Menschen sich willkommen fühlen. Genau dafür arbeiten wir: nicht nur für Veranstaltungen, sondern für Begegnungen, die hängen bleiben.


Vom Garten ins Veedel: Vogelsang gestalten


Mit „Du, Ich, Wir – Vogelsang gestalten“ haben wir in den letzten Jahren den Blick noch stärker über den Gartenzaun hinaus gerichtet. Das Finkennest ist ein Ort in Vogelsang — und deshalb interessiert uns auch, was im Stadtteil passiert, welche Ideen Menschen haben und welche Veränderungen sie sich wünschen.


In den Demokratiecafés und Gesprächskreisen wurden Anliegen gesammelt, diskutiert und weitergetragen. Dabei ging es nicht darum, schnelle Lösungen für alles zu versprechen. Vielmehr wollten wir Räume schaffen, in denen Menschen ins Gespräch kommen, Themen sichtbar werden und erste Schritte entstehen können.


Einige Ideen wurden bereits angestoßen oder weiterverfolgt. Das Thema Schulhoföffnung wurde lokalpolitisch eingebracht und blieb auch nach Projektende ein wichtiges Anliegen. Die Kooperation mit dem Karnevalsverein Kölsche Rotshäre und dem Familienzentrum lief an und wird weitergeführt, unter anderem mit gemeinsamen Aktionen rund um die Nubbelverbrennung. Eine Pflanzentauschbörse fand im Rahmen eines Frühlingsfestes statt und soll weitergeführt werden. Auch die Beteiligung an der Stadtteilkonferenz stärkt die Vernetzung im Veedel. Eine ursprünglich geplante analoge Pinnwand wurde nicht wie gedacht umgesetzt; stattdessen entstand ein Online-Schwarzes Brett.


Manches braucht Geduld. Manche Ideen brauchen Menschen, die dranbleiben. Und nicht alles lässt sich direkt umsetzen. Aber genau darin liegt ein Teil der Wirkung: Themen werden gesammelt, kommuniziert und weitergetragen. Aus Gesprächen können Netzwerke entstehen, aus Netzwerken Kooperationen, aus Kooperationen konkrete Projekte.

Wer genauer nachlesen möchte, was nach dem Ende von „Du, Ich, Wir – Vogelsang gestalten“ passiert ist, findet dazu bereits einen eigenen Blogartikel auf unserer Website.


Was im Hintergrund gewachsen ist

Nicht alles, was in den letzten zwei Jahren gewachsen ist, sieht man auf den ersten Blick. Neben Beeten, Bäumen, Bauprojekten und Veranstaltungen sind auch im Hintergrund wichtige Strukturen entstanden.


Der Verein hat sich weiter professionalisiert. Aufgaben wurden klarer verteilt, Kooperationen verlässlicher begleitet, Bildungsangebote anders vorbereitet, Veranstaltungen koordinierter geplant und Förderprojekte sorgfältiger dokumentiert. Das klingt weniger romantisch als Feuerstellen und Finkensong, ist aber die Grundlage dafür, dass solche Orte dauerhaft funktionieren können.


Gleichzeitig bleibt das Ehrenamt das Herzstück des Finkennests. Ohne die vielen Menschen, die mithelfen, mitdenken, backen, bauen, gießen, aufräumen, Musik machen, Kinder begleiten, Feuer hüten oder einfach da sind, wäre dieser Ort nicht das, was er ist. Die Förderung hat uns geholfen, dieses Engagement besser zu unterstützen und nicht alles auf unbezahlte Zusatzarbeit zu bauen.


Auch unsere Kooperationen und Netzwerke sind gewachsen: mit Schulen, Kitas, Familienzentren, dem Seniorennetzwerk, der Freiluga, dem Allerweltshaus, dem Karnevalsverein Kölsche Rotshäre, der Kölner Freiwilligen Agentur und weiteren Partnern. Wir sind nun Teil des BNE-Netzwerks und Mitglied im Bündnis Kommunale Nachhaltigkeit sowie im Bündnis für Biodiversität. Diese Verbindungen bringen neue Menschen, neue Perspektiven und neue Möglichkeiten in den Garten.


Danke


Zwei geförderte Jahre liegen hinter uns. Zwei Jahre, in denen viel gebaut, gepflanzt, gelernt, gefeiert, diskutiert, ausprobiert und weiterentwickelt wurde. Wir sind dankbar für das, was möglich geworden ist — und auch für all die Menschen, die diesen Weg mitgegangen sind.


Unser herzlicher Dank gilt der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW, der Deutschen Postcode Lotterie und der Heidehof Stiftung. Ihre Förderung hat wesentlich dazu beigetragen, das Finkennest als ökologischen Lern-, Begegnungs- und Beteiligungsort weiterzuentwickeln.


Wir danken außerdem allen Spendern und Unterstützern, darunter ProGrow, sowie allen Kooperationspartnern, Ehrenamtlichen, Familien, Kindern, Nachbarn, Freundinnen und Freunden und allen Menschen, die das Finkennest besuchen und mit Leben füllen.

Danke an alle, die dazu beigetragen haben, dass das Finkennest in den letzten zwei Jahren wachsen, blühen, klingen, kochen, summen, lernen und Menschen zusammenbringen konnte.


Und natürlich geht es weiter. Denn ein Gemeinschaftsgarten ist nie fertig.


 
 
 

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